Einfach mal “Nein!” im Beruf sagen

Es gibt ihn wahrscheinlich in jeder Abteilung – den Ja-Sager! Er ist bei jedem aufgrund seiner Hilfsbereitschaft und zuvorkommenden Art beliebt und übernimmt auch gerne mal Aufgaben von seinen Kollegen. Allerdings ist Ja-sagen nicht grundsätzlich förderlich für deine Karriere.

Wahrscheinlich ist es allen schon passiert, dass dich ein Kollege um Hilfe gefragt hat. Er braucht unbedingt Unterstützung, um eine Aufgabe zu erledigen deren Ergebnisse er in Kürze seinem Chef präsentieren muss. Und du hast dabei mit seiner Aufgabe eigentlich gar nichts zu tun. Auch wenn es hier schwer fällt, solltest du nicht automatisch deine Hilfe zusagen. Vielmehr ist es in vielen Situationen vorteilhafter “Nein” zu sagen.

Rein intuitiv neigst du eher dazu gegenüber deinen Kollegen oder insb. Vorgesetzten hilfsbereit zu sein und sie auch bei “fremden” Aufgaben zu entlasten. Das ist natürlich auch verständlich und korrekt, doch sollten deine eigenen Aufgaben nicht darunter leider – deine Hilfsbereitschaft muss mit deinem Terminkalender vereinbar sein! Sollte dies nicht der Fall sein, musst du “Nein” sagen.

Ein wesentlicher Grund, weshalb du diese vier Worte nicht über die Lippen bringst ist, weil du Konsequenzen fürchtest. Du könntest als egoistisch abgestempelt werden, du könntest in Ungnade bei deinem Chef fallen oder deine Kollegen könnten dich zukünftig meiden. Allerdings nützen dir auch die höchsten Beliebtheitswerte nichts, wenn du permanent aushilfst und Überstunden unter der Woche oder gar am Wochenende anhäufst. Dein hilfesuchender Kollege oder Chef ist auch nur ein Mensch, der sich mit entsprechenden Argumenten davon überzeugen lässt, dass du diese Überstunden nicht einlegen kannst oder willst.

Ein weiterer Grund weshalb du dazu neigen könntest nicht “Nein” sagen und  zu könnten ist, dass du dich gewertschätzt fühlst, wenn dich jemand um Hilfe fragt. Dein Kollege oder Vorgesetzter fragt dich um Hilfe, was dir imponiert und dir und deinen Fähigkeiten schmeichelt. Denn dein Kollege suggeriert dir, dass nur du die Situation retten kannst, weil er alleine machtlos ist. Dein Ego könnte in der Situation gradewegs durch die Decke gehen! Sollte es aber nicht! Denn leider gibt es viele Personen in der Berufswelt, die diese Gefühle gezielt ausnutzen, um Arbeit abzuwälzen und bei möglichen Fehler dich noch verantwortlich machen zu wollen. Deshalb solltest du dich und deinen Kollege bei Hilfegesuchen immer hinterfragen, ob du über Schmeicheleien nur ausgenutzt werden könntest.

Ein letzter Aspekt ist der Zeitdruck. In der Regel erwartet dein Kollege eine sofortige Rückmeldung, ob du bei einer Aufgabe unterstützen kannst. Allerdings solltest du dir ausreichend Zeit nehmen, um für und wider abzuwägen. Checke zuerst deinen Kalender und informiere dich im besten Fall über die Aufgabe, bei der du unterstützen sollst. Du solltest deine Arbeitszeit nicht für Projekte hergeben, die möglicherweise sogar falsch sind und in eine Sackgasse führen.

Die wichtigste Frage, die du dir bei diesem Thema allerdings stellen musst, ist ob ein “nein” in einer Situation durchaus vertretbar oder hingegen vollkommen egoistisch ist. Letztendlich gibt es hier kein Patentrezept, denn du bist es, der/die sich eigene Grenzen setzen muss bzgl. Verfügbarkeit, Belastungslevel und Überstunden. Diese Frage beantwortest du nur für dich selber.

“Nein”-sagen kann, sofern korrekt und nicht übermäßig angewendet, sich sehr positiv auf deinen Karriereweg auswirken. Du kannst damit dein eigenes Profil schäften und zeigen, dass du einen guten Überblick über deine Aufgaben hast, welche du korrekt priorisierst. Du verdeutlichst auch implizit, dass du nicht diejenige bist, die Aufgaben zudelegiert bekommt. Vielmehr zeigst du, dass du auf Basis deiner Priorisierungsfähigkeiten das Rüstzeug hast, selber zu delegieren und Aufgaben gerecht zu verteilen.

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